Ritter
- Marie Volk
- 28. Juli 2025
- 1 Min. Lesezeit
Mein Bauch fühlt sich an, als wäre die Welt zu teuer,
denn manchmal ist dieses Schicksal ein echtes Ungeheuer.
Doch kein rettender Ritter in Sicht –
nein, das war ich.
Durch Wasser-Glut und Feuer-Flut
versprach ich, begleite ich dich.
Wir lagen im See, im Matsch, im Meer, im Schnee,
sind geflogen und gefallen, doch niemals abgehoben.
Ich habe gelernt, nicht zu weinen,
still zu stehen und gedanklich zu treiben.
Scheiß auf Peter Pan und Tinkerbell –
ich bin alt geworden, bevor ich jung war,
und jung werd’ ich kein zweites Mal.
Und du verstehst nicht, dass Zeit vergeht,
fällt wie Schnee auf unserm Weg.
Und der Frühling naht –
warum naht der Frühling?
Hab ich nicht noch Zeit?
Keine Zeit, für mich allein zu sein,
muss zu zweit jede Sekunde nutzen, die bleibt.
Denn ich habe meine Jugend damit verbracht, anderen Bogen zu binden
und Phrasen zu faseln,
Löcher zu füllen, wo gar keine waren,
und hab vergessen, für mich einzuatmen.
Bis die Feuer-Flut schwieg,
bis der Gedanke nicht mehr trieb,
bis die Wasser-Glut in Vergessenheit geriet
und der Ritter nichts mehr retten konnte.
Ich versteh selbst nicht, wie ich grade stehen kann,
wie mein Herz nicht vor Schmerz zerläuft,
wie alles, was ich in Worte lege, auch sprechen kann.
Herzen sind da, um zu heilen,
Schmerz ist zu Besuch, doch darf nicht bleiben.
Hände sind da, um sie zu halten,
doch Menschen sind hier, um Geschichten zu schreiben.
Und ich schreibe unsere Geschichte.
Ich schreibe sie für alle Menschen, die unser Kämpfen nicht verstehen.
Ich schreibe sie, damit ich nichts vergesse, bis wir uns wiedersehen.
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